Was Paare zusammenhält - Liebe auf Dauer ... frei nach Hans Jellouschek

Dauer und Qualität der Beziehung:

Während früher unter Paaren hauptsächlich die Dauer der Beziehung Thema war, die oft auch unter äußerem Zwang (gemeinsame Kinder, gesellschaftliche und finanzielle Bindungen) aufrecht erhalten wurde, ist heute die Qualität der Beziehung Hauptthema.

Daher stellt sich schnell die Frage: Lohnt sich eine Beziehung für mich menschlich noch? Paarbeziehungen werden oft überfrachtet, weil zu hohe Erwartungen auf einen Partner konzentriert und diese Erwartungen von diesem allein nicht erfüllt werden können.
70 % der 30-Jährigen wünschen sich eine dauerhafte Beziehung, jedoch wird fast jede 2. Ehe geschieden.

7 Punkte, was Paare zusammenhält und Liebe auf Dauer ermöglicht:

1. Achte auf eine gute Kommunikation!
In der Phase der Verliebtheit ist dies kein Problem. Später besteht die Gefahr, dass negative Kreisläufe in der Kommunikation die Oberhand gewinnen und dadurch das Liebesfundament untergraben wird. Deshalb ist es notwendig, darauf zu achten, dem Partner gute und positive Rückmeldungen zu geben. Anlass für solche Rückmeldungen können entsprechende Verhaltensweisen, Eigenschaften und Erfahrungen miteinander sein, über die man redet. Positive Rückmeldung kann aber auch durch nonverbales Verhalten gegeben werden.

2. Auf Fairness achten und für Ausgleich und Gegenseitigkeit sorgen!
Das heißt, dass z.B. ursprünglich getroffene Absprachen eingehalten werden müssen (z.B. Frau geht nach 3 Jahren Familienphase wieder arbeiten und Mann reduziert seine berufliche Tätigkeit entsprechend).
Fairness kommt in eine Schieflage, wenn sich z.B. nur noch die Frau um die Schwiegereltern kümmert und sich der Mann total raushält.
Es geht hier um die Pole:
Autonomie - Bindung, Einfluss nehmen - sich beeinflussen lassen, Geben und Nehmen.
Es empfiehlt sich nach einigen Beziehungsjahren eine "Fairness-Bilanz" zu ziehen und die Frage zu stellen, ob alles noch im Ausgleich ist oder einer zu kurz kommt. Liebe setzt Gerechtigkeit voraus!

3. Räume für Intimität schaffen!
Das heißt, dass es Situationen und Möglichkeiten geben muss, wo man sich menschlich nahe sein kann (in die Augen sehen, körperlich nahe sein, sich wohl fühlen).
Der hohe Anspruch an Intimität beinhaltet gleichzeitig aber auch eine hohe Gefahr, die Intimität zu verlieren (z.B. durch berufliche Anforderungen, Engagement in Erziehung, Freizeit, Pflichten und Aufgaben). Manchmal wird das Paar ein gutes Arbeitsteam und sie verstehen sich als gute Eltern, erleben aber in der Paarbeziehung keine Erfüllung.

Wie Intimität erhalten?

a) Eine verbindliche Planung für die Zeit als Paar ist notwenig (in der Verliebtheitsphase hat man solche Kontakte mit viel Fantasie und Geschick geplant).
b) Notwendig ist eine wechselseitige Initiative für die Gemeinsamkeit.
c) Paarzeiten sollten nicht zu selten eingeplant werden, es besteht sonst die Gefahr, das zu verlernen. Beispiel: Ein Paar erlebt sich viele Jahre nur noch in der Elternrolle und wenn diese nicht mehr gefragt ist, haben sie die Zweisamkeit verlernt und sich als Paar nichts mehr zu sagen.
d) Paarsituationen müssen gestaltet werden. Man braucht eine Inspiration von außen, wie z.B. miteinander ins Konzert gehen, ein gemeinsames Hobby, einen Film ansehen und darüber reden.
e) Vernetzung: Nicht alles muss man selbst machen. Z.B. wenn beide Partner berufstätig sind, kann man sich vielleicht Unterstützung holen für die Kinderbetreuung, Haushaltshilfe usw.. Dies kann auch in der zusammenarbeit mit Paaren geschehen, die in der gleichen Situation sind, indem man sich gegenseitig aushilft, wenn Großeltern oder finanzielle Spielräume nicht gegeben sind.
f) Sexualität ist ebenfalls ein Teil der intimen Beziehung, sie bedarf geschützter Zeiten und Räume, eine Eigenständigkeit der Partner und sexuelle Kompromissbildung (d.h. in der Fantasie wünscht man sich evtl. wesentlich mehr, aber es ist wichtiger, einen gemeinsamen Nenner zu finden).

4. Alltagsrituale pflegen!
Zum Beispiel abends miteinander eine Runde drehen oder 14-tägig essen gehen und z.B. auf etwas anstoßen, was in diesen 14 Tagen passiert ist und was gefeiert werden kann. Weitere Ideen: Einmal vierteljährlich über das Wochenende weggehen oder ein Beziehungstagebuch schreiben (jeder schreibt etwas rein, gibt das Buch weiter, wartet bis der Partner etwas eingeschrieben hat oder fordert ihn auf, dass man gerne wieder etwas von ihm lesen möchte). Verliebungstag feiern. Wichtig ist es, regelmäßig eine Paarzeit einzubauen als Gegengewicht gegen den Sog der Pflichten und
Anforderungen und als Insel im Strom des Alltags.

5. Lernen, Verletzungen wiedergutzumachen!
Verdrängte Verletzungen machen die Liebe kaputt. Es geschieht durch eine Verletzung eine doppelte Schieflage: Wo ein Täter ist, ist auch ein Opfer und wo ein Schuldiger ist, ist auch ein Unschuldiger.

Elemente eines Versöhnungsprozesses:
1) Der Verletzte muss Verletzung ansprechen.
2) Es ist wichtig, dass der Verletzer dies als Verletzung anerkennt, denn es geht darum, wie der Verletzte es empfunden hat (die übliche Haltung von Verletzern, sich in Rechtfertigung und Erklärungen zu flüchten, verletzt erneut).
3) Um Verzeihung bitten und Verzeihung gewähren (also deutlich machen, dass es einem Leid tut).
4) Gegebenenfalls eine Wiedergutmachung im Tun sich überlegen.

6. Lernen, Krisen als Entwicklungschancen zu begreifen!
Krisen entstehen immer in Übergangsphasen (z.B. Geburt eines Kindes, Kinder gehen aus dem Haus usw.). Weitere Anlässe für Krisen: Partner wird krank, Kind wird auffällig, ein Partner wird untreu usw.. Allem, was geschieht, kann ich einen guten Sinn abgewinnen. Die Frage stellt sich: was ist die Entwicklungsherausforderung dieser Krise? Wird z.B. ein Kind auffällig, heißt dies, dass es für den Vater eine Chance ist, dass er sich mehr um seinen Sohn kümmert? Eine Frau wird krank, heißt dies, dass es für den Mann eine Chance ist, seine Fürsorge zu entdecken und zu entwickeln?

7. Erschließen von gemeinsamen Sinnquellen!
Es ist wichtig, miteinander in die gleiche Richtung zu schauen und nicht nur sich anzuschauen, d.h. Liebe braucht auf Dauer etwas Drittes als Nahrungsquelle. Dies können sein: Kinder, eine gemeinsame Aufgabe, eine gemeinsame Sorge, Hobby, Sport, Literatur-, Musik-, Interessen, Religion, gemeinsames Engagement. Herausfinden, was verbindet uns beide über das Alltägliche hinaus.
Ebenfalls wichtig. Welche gemeinsamen Zukunftsperspektiven haben wir oder zurückgeschaut, was haben wir miteinander schon alles erlebt und geschafft.

Literatur:
Hans Jellouschek: Liebe auf Dauer
Ebenfalls empfehlenswert: Hans Jellouschek: Wagnis Partnerschaft
Gary Chapman: Die Fünf Sprachen der Liebe